Staffel 4,33 Fole 102 - Warum Gehaltstransparenz jetzt zum Führungsthema wird
Shownotes
„Was verdienst du eigentlich?“ – Warum Gehaltstransparenz jetzt zum Führungsthema wird
Kennen Sie das?
Eine Mitarbeiterin fragt ihre Führungskraft: „Warum verdient mein Kollege eigentlich mehr als ich?“ Die Führungskraft weiß zwar, dass die Gehälter unterschiedlich sind, kann aber nicht genau erklären, warum.
Gerade jetzt sollten Unternehmen genauer hinschauen. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie bringt neue Anforderungen an Transparenz und Auskunftsrechte mit sich. Österreich hat die Umsetzungsfrist bis Juni 2026 verpasst, gleichzeitig können bestimmte Rechte bereits relevant sein.
Tipp 1
Überprüfen Sie Ihre Gehaltsstrukturen.Schauen Sie sich an, welche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vergleichbare Aufgaben und Verantwortungen haben und ob bestehende Gehaltsunterschiede nachvollziehbar begründet werden können.
Tipp 2
Definieren Sie klare Kriterien für Gehälter.Berufserfahrung, Qualifikation, Verantwortung oder zusätzliche Aufgaben können gute Gründe für unterschiedliche Gehälter sein. Wichtig ist, dass diese Kriterien nachvollziehbar und objektiv sind.
Tipp 3
Bereiten Sie Ihre Führungskräfte auf Gehaltsfragen vor. Wenn Mitarbeitende nach ihrem Gehalt oder nach Unterschieden im Team fragen, sollte eine Führungskraft nicht ausweichen müssen, sondern erklären können, nach welchen Kriterien das Unternehmen entscheidet.
Tipp 4
Schauen Sie bereits bei neuen Einstellungen genauer hin. Wenn Gehälter für vergleichbare Positionen ohne klare Systematik vereinbart werden, können über die Jahre große Unterschiede entstehen. Eine nachvollziehbare Gehaltsstruktur hilft deshalb bereits bei der Personalsuche und beim Einstieg.
Tipp 4,33
Machen Sie Gehalt nicht zum Tabuthema, sondern zum professionellen Führungsthema. Transparenz bedeutet nicht, dass jedes individuelle Gehalt öffentlich gemacht werden muss. Es bedeutet vielmehr, dass Sie erklären können, nach welchen Kriterien Sie bezahlen und warum bestimmte Unterschiede bestehen
Tipp der Woche
Fragen Sie sich einmal ganz ehrlich:
„Könnte ich einer Mitarbeiterin erklären, warum sie genau das verdient, was sie verdient?“
Wenn Sie diese Frage klar beantworten können, sind Sie bereits gut aufgestellt. Wenn nicht, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, Ihre Gehaltsstrukturen genauer anzusehen.
Denn faire Bezahlung beginnt nicht erst bei der Höhe des Gehalts, sondern bei nachvollziehbaren Entscheidungen.
Transkript anzeigen
00:00:00: Kennen Sie das?
00:00:02: Eine Mitarbeiterin kommt zu ihrer Führungskraft und fragt, warum verdient mein Kollege eigentlich mehr als ich.
00:00:09: Die Führungskraft ist auf diese Frage nicht vorbereitet – sie weiß vielleicht, dass die Gehälter unterschiedlich sind kann aber nicht genau erklären, warum.
00:00:19: Vielleicht gibt es unterschiedliche Einstufungen, individuelle Zahlungen, Zulagen oder einfach Gehaltsverhandlungen, Was früher häufig als reine Privatsache betrachtet wurde, wird damit plötzlich zu einer Führungsfrage.
00:00:38: Und genau hier sollten Unternehmen genauer hinsehen!
00:01:17: Mein Name ist Angelika Schneider und ich bin Gesellschafterin und Prokuristin der All-In Personalberatung GmbH.
00:01:24: Unser Tipp der Woche lautet!
00:01:26: Warten Sie nicht darauf, das Mitarbeitende nach Ihren Gehältern fragen.
00:01:31: Überprüfen Sie jetzt Ihre Gehaltstrukturen und überliegen sie ob Sie nachvollziehbar erklären können warum Menschen für vergleichbare Aufgaben unterschiedlich bezahlt werden.
00:01:44: Dieser Tipp lässt sich besonders gut dem Erfolgsfaktor III rechtssichere Vereinbarungen zuordnen.
00:01:50: Denn bei Thema Gehalt geht es nicht nur um die Höhe des monatlichen Betrags, es geht auch um nachvollziehbare Kriterien, faire Entscheidungen und darum ob eine Führungskraft diese Entscheidungen gegenüber ihren Mitarbeitenden erklären kann.
00:02:07: Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie soll dafür sorgen, dass gleiche oder gleichwertige Arbeit auch beim Entgelt nachvollziehbarer und fairer behandelt wird.
00:02:17: Im Bewerbungsprozess sollen Bewerberinnen und Bewerbe künftig mehr Informationen über das vorgesehene Einstiegsentgelt erhalten – und Beschäftigte bekommen stärkere Auskunftsrechte über die Kriterien, nach denen Gehälter festgelegt werden.
00:02:32: Österreich hat die vorgesehene Frist zur Umsetzung bis zum siebten Juni-Zwanzig-Sächsundzwanzig verpasst.
00:02:38: Gleichzeitig weist die Arbeitkammer darauf hin, dass sich Beschäftigte und Gerichte seit diesem Datum unter bestimmten Voraussetzungen bereits auf einzelne Bestimmungen der Richtlinien berufen können.
00:02:51: Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines – des Gehalt wird transparenter werden!
00:02:56: Und darauf sollten sich auch kleinere Unternehmen vorbereiten.
00:03:02: Nun zu einem Beispiel aus der Praxis.
00:03:04: Stellen Sie sich ein Unternehmen mit zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor, zwei Personen haben ähnliche Aufgaben und eine vergleichbare Verantwortung.
00:03:12: Eine der beiden wurde vor einigen Jahren eingestellt und hat damals im bestimmtes Gehalt ausgehandelt.
00:03:19: Die zweite Person kam später dazu und erhielt aufgrund der damaligen Situation am Arbeitsmarkt einen höheres Gehalt.
00:03:27: Jahre später erfährt die erste Mitarbeiterin davon Sie fragt ihre Führungskraft.
00:03:32: Warum verdient mein Kollege mehr als ich, obwohl wir eigentlich vergleichbare Aufgaben haben?
00:03:38: Wenn die Führungskraft jetzt nur antwortet – das sind individuelle Gehaltsvereinbarungen und darüber sprechen mir nicht – ist das Gespräch wahrscheinlich noch lange nicht beendet.
00:03:48: Denn die eigentliche Frage der Mitarbeiterinnen lautet nach welchen Kriterien wird bei uns eigentlich bezahlt?
00:03:55: Und genau diese Frage sollten sich Unternehmen beantworten können.
00:03:59: Der konkrete Praxistip für Sie lautet.
00:04:02: Schauen Sie sich Ihre Gehälte einmal systematisch an!
00:04:05: Sie müssen dafür nicht ein kompliziertes Vergütungssystem entwickeln.
00:04:09: Beginnen Sie mit den einfachen Fragen, welche Aufgaben haben die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
00:04:15: Welche Verantwortung tragen sie?
00:04:17: Welchen Qualifikationen und Erfahrungen bringen Sie mit?
00:04:20: Und gibt es nachvollziehbare Gründe dafür dass Menschen mit vergleichbaren Aufgaben unterschiedlich bezahlt werden?
00:04:28: Dabei können unterschiedliche selbstverständlich gerechtfertigt sein.
00:04:32: Berufserfahrung, Verantwortung, Qualifikation oder bestimmte zusätzliche Aufgaben können eine Rolle spielen.
00:04:40: Problematisch wird es erst dann wenn niemand mehr erklären kann warum ein Gehaltsunterschied besteht.
00:04:46: Und noch ein wichtiger Punkt.
00:04:48: Entgeltransparenz bedeutet nicht, dass künftig jeder wissen muss was seine Kollegin oder sein Kollege auf den Euro genau verdient.
00:04:56: Es geht vielmehr darum das Unternehmen nachvollziehbare und objektive Kriterien für die Vergütung haben und diese auch erklären können.
00:05:04: Die Richtlinie sieht unter dem anderen Auskunft über Kriterian- und Durchschnittsenkel der vergleichbarer Gruppen vor Nicht einfach die Offenlegungen des individuellen Gehalts einer bestimmten Person.
00:05:16: Genau deshalb ist das Thema nicht nur eine rechtliche Herausforderung, sondern auch eine Führungsaufgabe.
00:05:23: Denn wenn ein Führungskraft nicht erklären kann warum jemand mehr oder weniger verdient entsteht schnell das Gefühl von Ungerechtigkeit und das kann das Vertrauen in die Führungen deutlich stärker beschädigen als der eigentliche Gehaltsunterschied.
00:05:38: Das Thema Gehalt wird in den kommenden Jahren transparenter werden und deshalb lohnt es sich für Unternehmen nicht erst dann zu reagieren, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter unangenehme Fragen stellt.
00:05:49: Schauen Sie lieber jetzt auf Ihre Gehaltsstrukturen und stellen sie sich die einfache Frage können wir erklären warum unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das verdienen was sie verdienen?
00:06:00: Und wenn die Antwort darauf klar und nachvollziehbar ist haben sie bereits einen richtigen Schritt gemacht Und wenn Sie feststellen, dass es bei dieser Frage noch einige Fragezeichen gibt, dann ist ebenfalls das eine wichtige Erkenntnis.
00:06:13: Denn gute Personalarbeit bedeutet nicht, dass jeder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das selber verdienen muss.
00:06:19: Gute Personalarbeit bedeutert, dass unterschiedliche Nachfolgsheber fair und professionell begründbar sind!
00:06:26: Wenn Sie Unterstützung dabei benötigen, Ihre bestehenden Gehaltstrukturen zu überprüfen und Aufgaben zu bewerten oder Ihrer Vergütungssysteme für die kommenden Anforderungen besser aufzustellen, begleiten wir sie sehr gerne.
00:06:39: Besuchen Sie uns unter www.all-in-personalberatung.at.
00:06:46: Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme – denn gemeinsam bringen wir Ihr Team zum Leuchten!
00:06:54: Text, Stimme und Schnitt Angelika Schneider, Ton und Musik André Müller.
00:07:02: Vielen Dank fürs Zuhören!
00:07:04: Wir freuen uns über Feedback- und Ihre Themenvorschläge für die nächsten Folgen von Vierkommar dreieunddreißig Volksfaktoren zur gelungenen Personalarbeit.
00:07:12: Bis zum nächsten Folge – und denken Sie daran wir bringen Ihr Team zum Leuchten.
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